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Berichte
Ein extrem bewegendes Summermeeting 2010
Sonntag, der 8.8.2010, in Weißenbach am Attersee. Es ist warm, aber leicht regnerisch. Die Frisuren sitzen dennoch. Viele alt bekannte aber auch neue Gesichter trafen sich im Europacamp um gemeinsam eine Woche voller Überraschungen zu erleben, mit denen wohl niemand gerechnet hatte.
Mit großen Erwartungen und vielleicht auch den ein oder anderen Ängsten begann die Woche mit interessanten Kennlernspielen und einem ersten Abend in sehr gemütlicher Atmosphäre bis spät in die Nacht. Der nächste Morgen brachte (zumindest für die neuen und anderen Bewohner am Campingplatz) die erste Überraschung. Wiederholungstäter wissen wovon die Rede ist. Leise und gerade zu zärtliche Klänge von Nana Mouskouri schallten bis in jede Hütte und jedes Zelt und wünschten einen schönen „Guten Morgen Sonnenschein“. Nachdem der erste Schock verdaut war, ging es zum Frühstück und anschließend zum gewählten Tagesworkshop. Heuer standen Kreativität, Sport und psychologisches Wissen und Erfahrungen im Mittelpunkt. Am Abend kamen die letzten sichtbaren Wolken nur noch aus dem Grill, der den TeilnehmerInnen einen genüsslichen Abend bereitete.
Der morgendliche Weckruf am Dienstag behielt recht und die Sonne strahlte den verschlafenen Gesichtern entgegen. Der Tag sollte aber nicht ganz so sonnig ausklingen wie er begonnen hatte. Nach den Tagesworkshops und dem unheimlich nahrhaften Mittagessen stand der Sex-Workshop mit Brigitte Kiesenhofer von der Aids-Hilfe an und wurde von vielen Neugierigen besucht. Jede/r TeilnehmerIn konnte wieder etwas dazulernen oder sich erneut über die Risiken und Praktiken beim Sex informieren. Nebenher wurde der Badestrand kurzer Hand von Silke (Kreativ-Workshop Leitern) zu einer bunten Bodypaint-Area umgewandelt. Hier wurde jeder der sich traute mit Farben in Phantasiewesen verwandelt, in eine antike Rüstung gesteckt oder als Leinwand für moderne Kunst verwendet. Nach dem Fotoshooting für die Ewigkeit wurde die Kunst mit einem beherzten Sprung in den heuer gar nicht so kalten Attersee den Wellen überlassen. Die vorangegangenen Unwetter hatten den Nixenfall für die Fackelwanderung unbegehbar gemacht und so musste auf eine neue (bis dahin noch unbekannte) Strecke ausgewichen werden. Der doch recht steile und teils abenteuerliche Weg forderte einiges von den TeilnehmerInnen ab, aber die Mühe war es wert und jede/r konnte mit Stolz auf seine Leistung zurückblicken.
Die Rückkehr ins Camp war weniger erfreulich. Nach vorherigen kleinen Anfeindungen mit ein paar recht jungen und wohl unwissenden Jugendlichen am Platz krönten sie ihr homophobes Verhalten mit dem Aufschlitzen einer Zeltwand und der Zerstörung eines weiteren Zeltes. Die Schuldigen waren schnell gefunden und kamen (zumindest wegen des zerstörten Zeltes) reumütig angekrochen und wurden zur Rechenschaft herangezogen. Der Campleiter, der übrigens immer zu Recht auf unserer Seite war, konnte auch die jede Nacht immer weniger werdenden Summermeeting Transparente wieder auftreiben. Trotz dieser bis dato noch nie da gewesenen extrem homophoben Ereignisse ließen sich die TeilnehmerInnen den Spaß nicht verderben oder einschüchtern, sondern wuchsen noch mehr zusammen.
Der Supriseday am Mittwoch begann mit einer kleinen Bootstour über den Attersee. Da es allerdings nicht genügend Elektroboote für alle gab, musste das Staff-Team auf Tretboote umsteigen und ordentlich in die Pedale treten, um den Attersee auch aus einem ganz neuen Blickwinkel betrachten zu können. Der Nachmittag stand zur freien Verfügung und lud zum Relaxen und Entspannen am See ein.
Aber halt. Die roten Falken, die gleichzeitig am Europacamp vertreten waren, hatten von den nächtlichen Zerstörungsaktionen Wind bekommen und luden um 15 Uhr zu einer Demonstration gegen Homophobie auf dem Campingplatz ein. Mit eigen Transparenten und Bannern mischten sich die roten Falken und die SummermeetlerInnen zu dem wohl ersten Christopher Street Day in der Geschichte von Weißenbach. Auch das Strandbad blieb nicht verschont. An dieser Stelle danken wir erneut den roten Falken für die tolle Unterstützung und den Mut Farbe zu bekennen.
Der Abend sollte ebenso actionreich werden. Nachdem den TeilnehmerInnen ein Karaokeabend versprochen wurde, für den es sich herzurichten galt, bestiegen in ahnungsloser Vorfreude alle den Bus. Selbst nach dem Ausstieg war noch nicht klar, dass eigentlich wieder auf das Discoschiff geht. Erst als dieses anlegte und die feierlustige Meute an Bord nahm gab es kein Halten mehr. Die leider konfiszierten Federboas taten der Feierstimmung keinen Abbruch und es wurde ausgelassen getanzt und gefeiert. Zu Glück bleiben heuer hier die extremen homophoben Sprüche aus und der ein oder andere „Hetero“ schien Gefallen an unserer Lust am Feiern bekommen zu haben und machte ordentlich Stimmung. Erschöpft, aber glücklich fuhren wir ins Camp zurück und ließen den Abend am Lagerfeuer ausklingen.
Am Donnerstag war wohl die eine oder der andere von sich selbst überrascht. Dame Edith gab sich mit Kollegen wieder die Ehre und bereicherte das Camp mit ihren vielen Schminktöpfen, Haarnadeln und falschen Wimpern. Jeder der sich neu ausprobieren oder weiter in Lauftechniken verbessern wollte, wurde zur Drag-Queen bzw. zum Drag-King umgewandelt. Dabei waren einige neue Talente zu entdecken. Wer sich nicht ganz umwandeln lassen wollte, konnte auch wieder mit Fingerfarben an seinem/ihrem Körper oder den von anderen experimentieren. Die Kinderfreunde, die uns freundlicherweise das Camp Center für den Abschlussabend überließen, waren herzlich zu der Schmicksession eingeladen und bewiesen ihr Talent für und ihre Freude an den Farbtöpfen. Die am Abend stattgefundene Show „Weißenbach´s Next Topmodel“ erzielte einer große Zuschauerquote. Hier konnten die verwandelten Damen und Herren ihr können auf dem Laufsteg zu anheizender Musik beweisen. Heidi war wieder einmal so begeistert, dass sie kurzer Hand alle zu GewinnerInnen kürte. Doch die Überraschung sollte erst kommen. Nach lautstarken Anfeuerungsrufen der Kinderfreunde und SummermeetlerInnen sprangen die ersten Drags ins kühle Nass. Auch eine Betreuerin der Kinderfreunde beugte sich dem Gruppendruck und sprang voll bekleidet ins Wasser und löste einen Flashmob bei den Kindern aus, sodass fast alle Kinder und Drags am Ende gleichzeitig im Wasser schwammen und für eine riesen Wasserschlacht sorgten. Ein gelungener Abschluss nachdem der Regen genau bis zum Schluss ausgeharrt hatte.
Der Freitag war wettertechnisch leider etwas trüb, aber die Stimmung der TeinehmerInnen dafür umso besser. Insgeheim wurden Pläne für den Abschlussabend geschmiedet, bei denen die Staffs ihr weißes Wunder erleben sollten. Nach dem Eintreffen der Gäste und alten Bekannten des Summermeetings wurde das gigantische
Buffet eröffnet. Danach ging es ins Camp Center zum Abschlussabend, der nicht ohne feuchte Augen bleiben sollte. Zur Einstimmung zauberte Peter (Staff) eine sehr bewegende Fotodiashow mit Musik zusammen, die einige TeilnehmerInnen zu Tränen rührte. Nach der Vorstellung der Workshops und was die TeilernehmerInnen alles erlebt hatten (auch die beeindruckende Besteigung des Schobersteins für unsere Flachland gewöhnten deutschen Gäste war dabei), brachte die Auktion der Kunstwerke des Kreativworkshop eine horrende Summe zugunsten des Summermeetings ein. Ein gayniales Improvisationstheaterstück, das in einer dermaßen kurzen Zeit unter der Leitung von Silke erarbeitet wurde, bot einen kritischen Rückblick auf die Zeit im Camp und unterstrich erneut, dass wir uns die Laune nicht von ignoranten und homophoben Personen vermiesen lassen wollen. Die Überraschung kam zum Schluss. Die Staffs durften in einem Wettstreit mit verbunden Augen ihre Schlecktechniken beweisen und gegeneinander in Teams antreten. Dafür wurden unsere lieben Nachbarn aus Deutschland oben entblößt und mit nicht wenig Schlagobers und Schokosauce beschmiert, die es dann von den Staffs zu entfernen galt…natürlich nur mit dem Mund, was natürlich mehr zur Erheiterung der ZuschauerInnen führte. Die Danksagungen wurden von großem Beifall und Getöse begleitet und zeigten dem Staffteam und den Workshop LeiterInnen, dass sich ihr Einsatz absolut gelohnt hatte.
Der Abschied Samstag endete mit der Feedbackrunde und vielen lieben Worten. Einig waren sich alle, dass die Woche wohl eine unvergesslich schöne und eine der Extremen war, die aber alle zusammengeführt hat und den Abschied umso schwerer machte. Dieses Gefühl des Zusammenhalts einer eigentlichen Minderheit lässt sich mit Worten nicht beschreiben, sondern nur am eigenen Leib erfahren. Vielleicht machst ja auch Du schon das nächste Jahr diese Erfahrung mit uns beim nächsten Summermeeting 2011, die dein Leben garantiert verändern wird.Das war das Summermeeting 2009
Zuerst galt es die eigene 10-Mann/Frau-Hütten oder den eigenen Zeltplatz zu finden. Beim fröhlichen Betten beziehen wurden gleich einmal die ersten Kontakte zwischen den HüttengenossInnen geknüpft, mit denen es die nächsten 6 Nächte zu bestreiten galt. Wer schnarcht?, Wer liegt oben?, Wer braucht 2 Kästen?, usw.

Mit dem allmorgendlichen Weckruf von Nana Mouskouri „Guten Morgen Sonnenschein“ um 7.30 Uhr wurden die Teilnehmer (und auch die umliegenden Campbesucher) zärtlich aus ihren Träumen geholt. Frühaufsteher waren hier klar im Vorteil, außer man bevorzugt doch eine kalte Dusche am Morgen.
Nach dem Frühstück, das einige aus unerfindlichen Gründen verschliefen, ging es am Vormittag zu den Workshops, die da “Talk Workshop”, “Impro-Theater”, “Video Clip” und “Wer bin ich?” hießen und aus den Teilnehmern das eine oder andere herauskitzelten. Wenn man jetzt wissen möchte was Lady Gaga, Britney, Paris Hilton, Amy und eine Meerjungfrau gemeinsam haben, der schaut am besten auf den unten stehenden Link!
Aber auch vereinzelte Tagesworshops wurden von den Teilnehmern gerne in Anspruch genommen. So ging es im Coming-Out-Workshop um die Perspektive einer Mutter eines schwulen Sohnes und wie sie mit der Situation damals klargekommen ist.
Bei “The Principles of Slaying” – dem Tai Boxing Sportworkshop der die Figur auf Vordermann bringt ohne dabei die Frisur zu zerstören – schließlich kamen nicht nur die Teilnehmer, sondern auch die Zuschauer gehörig ins Schwitzen…
Im Bauchtanzworkshop wurden zu “Jungle Drum” ordentlich mit den Hüften gewackelt und die Teilnehmer bewiesen wieder einmal, dass in so einigen richtig viel fernöstliches Temperament brodelt.
Beim Schreib-Workshop versuchten die Teilnehmer ihre Gedanken in eine entsprechende Form zu bringen, dass die Wörter, die sie gebraucht wurden, auch das widerspiegeln, was gesagt werden sollte. Es wurde auch der Frage nachgegangen, ob Lesben, Schwule und Transgedner anders schreiben als vielleicht andere Schriftsteller.
Der Höhepunkt der Woche war wie immer der unter höchster Geheimhaltung organisierte Surprise Day. Diesmal ging es nach einer lustigen Busfahrt tief in den Berg, wo man abgeschmolzen Elefanten, Eisbären und anderen Kuriositäten im ewigen Eis der Eisriesenwelt sahen – und nebenbei auch erfuhr, dass man durch Steigen der 700 Stufen rauf und auch wieder runter einen schönen Knackarsch bekommt
Am Abend wurde dann mit Federboas und Disco-Sticks bewaffnet das rund um dem Attersee fahrende Disco-Schiff gestürmt. Die Reaktionen der Besucher waren gemischt, aber es schien sich schon rumgesprochen zu haben, dass ein schriller Haufen jedes Jahr das Schiff mit einer super Stimmung belagert, denn wie sich herausstellte, gab es Gäste an Bord, die nur wegen uns gekommen waren, um das ganze Spektakel einmal live mitzuerleben. Schließlich bekommt man nicht alle Tage eine derart bunte, gut gelaunte Truppe zu Gesicht!Zeugen eines Wunders der Natur wurden die zahlreichgen Zuschauer des diesjährigen Weißenbachs Next Topmodels als Heidi Klum’s Fruchtblase sich auf den Steg entleerte – was sie nicht daran hinderte, einen perfekten Catwalk hinzulegen (auch mit einer diesmal sehr lebendigen Handetasche). Aber auch andere “Stargäste” wie Amy, Britney und co gaben sich die Ehre. Selbst die neugierigen Badegäste waren begeistert von unseren top durchgestylten Damen, die jede für sich ihren eigenen kleinen Showact auf dem Steg inzenierten. Selbst Victoria, Herr Lagerfeld und Joop könnten sich bei einer deratigen Show der Superlative noch etwas abschauen.
Mit der einfach unbeschreiblich schönen Amtosphäre, den romantischen Lagerfeuern, der mystischen Fackelwanderung und dem Abschlussabend und der anschließenden Feier fiel auch heuer der Abschied am Samstag allen Summermeetlern sichtlich schwer. Wie ein Teilnehmer so schön sagte, ist das Summermeeting einfach ein “kleines Paralleluniversum”, in dem jeder so akzeptiert wird wie er oder sie ist und die Gruppe immer mehr zu einer “Regenbogenfamilie” wird. Erst wenn man dabei gewesen ist, weiß man wieviel die Gemeinschaft junger Leute an Kraft geben, unterstützen und in der eigenen Sexualität bestärken kann. Hier entstehen Bekanntschaften, Freundschaften und auch Beziehungen. Viele schätzen die Möglichkeit, hier Leute abseits von Internetplattformen kennenzulernen.
Lange Rede, kurzer Sinn: Wer nicht dabei gewesen ist, hat definitiv was verpasst. Was das Summermeeting ist, weiß man erst, wenn man dabei gewesen ist. Diese Erfahrung muss man machen, um sie zu verstehen.
Zum Glück gibt es ja für alle die sehr Wehmütigen im Februar das LesBiGay Youth Winter- meeting 2010 im Pitztal in Tirol, bei dem sich einige wohl wiedersehen werden.

